Argumente für die Widerspruchslösung

Warum wir die Widerspruchsregelung unterstützen

Die Widerspruchsregelung spiegelt den Willen der Bevölkerung.
84% der Bevölkerung äußern sich positiv zur Organspende; 70% würden ihre Organe spenden (BZgA). Bei einer Widerspruchsregelung stellt die Organspende den Normalfall – und nicht wie bisher die Ausnahme – dar und repräsentiert dadurch diese Mehrheitsmeinung der Bevölkerung.

Die Widerspruchsregelung entlastet die Angehörigen.
Bei der jetzigen gesetzlichen Regelung müssen die Angehörigen in ca. 2/3 der Fälle eine Entscheidung treffen, da der Wille des Verstorbenen nicht bekannt ist. Dies ist in der Regel sehr belastend und nicht selten traumatisierend. Durch eine Widerspruchsregelung kann den Angehörigen die Last der Entscheidung genommen werden. Dies zeigen auch die Erfahrungen aus anderen Ländern.

Die Widerspruchsregelung wurde in den meisten europäischen Ländern eingeführt und hat sich als erfolgreich erwiesen.
Fast alle europäischen Länder haben deutlich höhere Spenderzahlen als Deutschland. Die Gründe liegen vor allem an der unterschiedlichen Organisation der jeweiligen klinischen Abläufe. Die Widerspruchsregelung ist in den meisten dieser Länder ein zentraler Pfeiler des Systems.
Eine Regelung, die die grundsätzliche Bereitschaft zur Organspende zum Ausgangspunkt nimmt, verändert nachhaltig das Bewusstsein. Das Denken an die Möglichkeit einer Organspende wird mehr und mehr zum Normalfall – bei den Bürgern und bei den behandelnden Ärzten auf den Intensivstationen.
Spanien hat die höchsten Organspendezahlen in Europa. Das liegt nicht nur an der Widerspruchsregelung, aber sie gab die Grundlage. Auf dem Fundament eines gesellschaftlichen Konsenses, dass die Organspende der Normalfall ist, wurden die Strukturen verbessert und die Akzeptanz weiter erhöht.
Es wäre unverständlich, wenn diese „Best Practice“ nicht auch in Deutschland eingeführt würde.

Die Widerspruchsregelung gibt unverändert jedem das Recht, nicht Organspender zu sein.
Der Artikel 1 GG bleibt unverletzt.
Denn die Einführung einer Widerspruchsregelung ändert nichts an Selbstbestimmung und Freiwilligkeit. Dies sah nicht nur der Nationale Ethikrat so in seiner Stellungnahme von 2007, sondern auch die Katholische Bischofskonferenz Österreichs im Jahr 2005. Jeder kann zu Lebzeiten jederzeit widersprechen, als Organspender zu gelten.

Was zur Umsetzung der Widerspruchsregelung gehört

  1. Die Bürger sollten wiederholt zu einer persönlichen Erklärung aufgefordert werden, ob Sie Ihre Organe spenden möchten oder dies ablehnen.
  2. Diese Entscheidung muss einfach und zuverlässig hinterlegt und ggfs. auch geändert werden können, beispielsweise in einem Register, auf dem Smartphone, dem Organspendeausweis oder anderen zukünftigen Speichermedien.
  3. Die Bürger sollten in breiten Informationskampagnen darüber aufgeklärt werden, dass bei einer unterbliebenen Erklärung (und unter Einhaltung einer angemessenen Karenzfrist nach Einführung der Neuregelung) grundsätzlich von einer Zustimmung zur Organentnahme ausgegangen wird.
  4. Im Idealfall entscheidet jeder selbst, was nach seinem Tod mit den Organen geschieht und hat dies nicht nur dokumentiert, sondern auch den Angehörigen mitgeteilt. So soll vermieden werden, dass diese im Todesfall die alleinige Last der Entscheidung tragen müssen. Ist den Angehörigen bekannt, dass der Betroffene gegen eine Organspende war, sollte dies berücksichtigt werden, auch wenn es nicht zu Lebzeiten dokumentiert wurde.