Hintergrund

Gesetzliche Regelungen zur Organspende

Die Voraussetzungen für die Entnahme von Organen bei Verstorbenen und Lebenden sind gesetzlich genau festgelegt. In Deutschland regelt das Transplantationsgesetz die Organspende, Organentnahme, Organvermittlung und Übertragung von Organen, die nach dem Tod oder zu Lebzeiten gespendet werden.

Es besagt, dass Organe – abgesehen von einer Lebendspende – erst nach Todesfeststellung des Spenders entnommen werden dürfen. Es stellt Organhandel sowie das Übertragen und Sich-Übertragenlassen gehandelter Organe und Gewebe unter Strafe.
Ab dem vollendeten 16. Lebensjahr können Jugendliche ihr Einverständnis zur Organspende geben.

Das deutsche Gesetz sieht eine strikte Trennung der Bereiche Organspende, Organvermittlung und Organtransplantation vor und legt damit organisatorische und personelle Zuständigkeiten eindeutig fest.

Für die Organspende ist die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) verantwortlich, für die Vermittlung von Organspenden die Stiftung Eurotransplant (ET).

Mehr Informationen zu den gesetzlichen Regelungen finden Sie auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Was ist die Zustimmungsregelung?

Bei der Zustimmungsregelung können nur dann Organe entnommen werden, wenn die verstorbene Person ihre Zustimmung erteilt und dokumentiert hat. Ist dies nicht geschehen, müssen die engsten Verwandten auf Grundlage des mutmaßlichen Willens der verstorbenen Person entscheiden.

Was ist die Entscheidungsregelung?

Seit dem 1. November 2012 gilt in Deutschland die Entscheidungsregelung. Sie sieht vor, dass sich jeder Mensch zu Lebzeiten entscheidet, ob er Organspender sein möchte oder nicht. Die Entscheidung kann er in einem Organspendeausweis dokumentieren. Die Krankenkassen informieren dazu die Versicherten alle zwei Jahre über Organspende und fordern zum Ausfüllen des Organspendeausweises auf.
Die Entscheidung für oder gegen die Organspende ist allerdings nicht verpflichtend. Da nur wenige Menschen ihren Willen zur Organspende schriftlich festhalten, müssen immer noch mehrheitlich die Angehörigen diese Entscheidung treffen – anstelle der verstorbenen Person.

Wie funktioniert die Widerspruchsregelung?

Die Widerspruchsregelung gilt in mehr als 20 europäischen Ländern, darunter Bulgarien, Frankreich, Irland, Italien, Lettland, Liechtenstein, Luxemburg, die Niederlande (2018 beschlossen), Österreich, Polen, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, die Türkei, Ungarn und Zypern. Zuletzt hat das britische Unterhaus für die Widerspruchsregelung gestimmt.
Sie wäre die Umkehrung des bei uns geltenden Systems: Wenn ein Mensch einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat, z.B. per Smartphone, Register, Ausweis oder ähnlichem, besteht die Grundannahme, dass der Betreffende nichts dagegen hat, als potentieller Organspender zu gelten. Auch hier würde die Informationspflicht durch Kassen bestehen bleiben bzw. deutlich ausgeweitet werden.
Einen Automatismus zur Organentnahme wird es nicht geben: Hat der Verstorbene nicht eindeutig seinen Widerspruch dokumentiert, so ist die Doppelte Widerspruchsregelung zu verstehen – dann würden „die Angehörigen zum mutmaßlichen Willen des Verstorbenen“ befragt. (Quelle: BMG)
In fast allen Ländern, in denen die Widerspruchsregelung gilt, werden im Zweifelsfall die Angehörigen zu Rate gezogen.

Für alle gesetzlichen Regelungen gilt, wer sich zu Lebzeiten entscheidet, dies dokumentiert oder klar kommuniziert, entlastet die Angehörigen in den schweren Stunden des Verlusts.

Entwicklung der Spenderzahlen in Deutschland

Die Organspender-Zahlen waren in den letzten Jahren stark rückläufig. Nach einem Tiefstand im Jahr 2017 ging es im 1. Halbjahr 2018 leicht bergauf. Im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn liegt Deutschland dennoch weit zurück.

Anzahl der Organspender in Deutschland von 2012 bis 2017

Jahr 2012 2013 2014 2015 2016 2017
Organspender 1.046 876 864 877 857 797

Wie viele Organspender gab es 2017?

Weniger als 10 Organspender pro eine Million Einwohner gab es in Deutschland 2017. Damit gehört Deutschland zu den Schlusslichtern Europas.

Hier der Vergleich:

Spanien 46,9
Italien 28,2
Frankreich 26,8
Österreich 24,7
DE 9,7

Einheit: Organspender pro eine Million Einwohner
Quelle: IRODaT, International Registry of Organ Donation and Transplantation

Große Unterschiede zwischen den Ländern

Im europäischen Ausland gibt es große Unterschiede in der Organisation des jeweiligen nationalen Organspendewesens. So variieren Zuständigkeiten, Infrastruktur und Abläufe in Kliniken teilweise von Region zu Region.
Unterschiede gibt es auch in den Voraussetzungen, wer Organspender sein kann: Ein Mensch kommt in Deutschland erst dann als Organspender in Frage, wenn im Krankenhaus gemäß den Richtlinien der Bundesärztkammer zwei Ärzte unabhängig voneinander den endgültigen, unumkehrbaren Ausfall aller Gehirnfunktionen feststellen, der sogenannte Hirntod.

Anders als in Deutschland dürfen in Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien, Italien und den USA auch Organe nach Herzkreislaufstillstand entnommen werden.